Die x-mas-Lichterkette als Diagnostik-Tool für Führungskräfte

Wieso macht sich die Welt der Personaler eigentlich so viele Gedanken über Assessment-Tools und Diagnostik-Instrumente für Führungskräfte? Eigentlich müsste man Führungskräfte im Privatleben beobachten dürfen (geht natürlich aus DSGVO-Gründen nicht), um ihren wahren Charakter kennenzulernen. Dafür würde ich das vorweihnachtliche Prozedere des x-mas Baum-Schmückens empfehlen.

Letzten Donnerstagabend: ich will nach Feierabend den ersten Step des x-mas-Baumschmückens  starten. Mal eben ganz fix. In einem noch verpackten Karton befindet sich eine 100 m Lichterkette. Ich finde mich extrem schlau, habe extra eine lange Lichterkette gekauft, damit ich nur noch eine anstatt drei Lichterketten um den 2,10 hohen Baum tüddeln muss. Los geht’s! Box aufschneiden, das Büschel Lichterketten plumpst in meine Hand. Und ich denke: so, jetzt pass bloß auf, dass Dir diese 100 m-Büschel-Lichterkette nicht aus der Hand fällt. Ich bin ja der Fuchs, und will eigentlich ganz zügig, diese Lichterkette im Büschel-Knäuel Reihe um Reihe um den Baum wickeln, nein galant herüberheben und dabei zusehen – ähnlich wie beim Stricken (ich stricke gar nicht), sich das Wollknäuel (also die Lichterkette) von selbst locker allein abrollt.

Ich war in bester Laune, x-mas-Musik dudelte aus dem Radio. We wish you a merry x-mas, we wisch you a merry x-mas….lalalala….

Und dann passierte das, was ich nicht wollte: das Büschel flog zu Boden. Ahhhhhh……da hatte ich den Büschel-Salat.Jetzt war ich also mit einem Haufen von Büschel-Lichterkette konfrontiert, die in-sich-verwurstelt-mit-zig-tausend-von-mini-mini-Lichtern darauf wartete, wieder entfummelt zu werden.

Kennen Sie das? Sie denken, ach, ich entüddel das mal eben, schüttel` ein wenig dran rum, dann flattert das alles von selbst auseinander. Nix da!! Hier ein neuer Knoten, da eine weitere Büschel-Einbahnstraße, das eine mini-Licht hing gleich an zwei anderen. Oh neeeee…..

Ich musste ca. 80 qm meiner Wohnung nutzen, um eine Lichterketten-Straße über mehrere Zimmer zu bilden, damit ich überhaupt noch einen Überblick über den Anfang und das Ende dieser Kette bekam. Erschwerend kam hinzu, dass meine beiden Hunde total entzückt von dem Geblinke auf dem Fußboden waren. Immer da, wo grad Ordnung herrschte an der Lichterkette, guckten sie an der Kette entlang um sie aufzunehmen – es sind Apportierhunde, die alles gern bringen –  um es mir anschließend als »ihre Beute« zu präsentieren.

Es dauerte am Ende 45 Minuten!! Nur um die Lichterkette in einer straßenzugähnlichen Struktur zu sortieren, um sie dann langsam zum Baum zu ziehen, damit ich die Kette in ihren eigentlichen Heimathafen parken konnte.

Im Privatleben zeigt sich der wahre Charakter

Es gibt bestimmte Typen von Menschen (Männer oder Frauen), die im Business eine Führungsposition bekleiden, aber privat ausrasten, austicken, verärgert sind, weil sich eine Lichterkette von 100 m selbstständig macht und den geplanten Ablauf durcheinander bringt. Das ist generell nicht schön, aber ok, solange es diesen ManagerInnen gelingt, sich in der Führungspostion „gut selbst zu steuern, wenn sie in Stress oder unter Druck geraten“.

Manchen Menschen vergeht bei so einem Deko-Abend sogar die Laune, sie werden wütend, schimpfen noch mit ihrem Partner „Scheiß Baum, ich wollte den eh nie haben…da haben wir den Salat“ oder „mach das doch das nächste Mal allein, ich habe da keine Lust mehr zu“..es könnten die unschönsten Momente aus so einem schön gedachten Moment entstehen. Nur weil man/frau sich im Stress nicht im Griff hat, weil die Selbststeuerungskomponente – nämlich nicht auszurasten – uns grad mal verlassen hat. Persönliches Krisenmanagement ist gefragt.

Also: kurzum. Ich will Sie nicht nerven im vorweihnachtlichen Stress!

Learning aus dieser Story für alle Führungskräfte für ihren Alltag

  • Üben Sie sich mal an privaten „Stress-Situationen“ ruhig zu bleiben, sich selbst zu steuern, noch Spaß an der Aufgabe zu finden, obwohl sie Sie gerade in den Wahnsinn treibt. Sehen Sie es sportlich.
  • Verändern Sie in schwierigen Situationen im Berufsleben einfach mal die Sicht auf die Dinge: wie ist diese unangenehme Situation angenehmer zu überstehen: in einer Miese-Peter-Laune oder mit einem Lächeln im Gesicht nach dem Motto „Danke Situation, dass ich an Dir lernen darf“. Ich würde die letzte Variante wählen.

Learning aus dieser Story für alle Personaler im Recruiting-Prozess

  • Nehmen Sie doch einfach mal im Bewerbungsgespräch oder im Assessment-Center ein Praxisfall aus dem Privatleben hinzu, z.B. eine 100-m lange Lichterkette unter Zeitdruck zu enttüddeln und beobachten Sie dann bei der Führungskraft – wie sonst in einem Mitarbeitergespräch im AC – das Verhalten dieser Führungskraft.

Dann frohe Weihnachten. Lassen Sie sich von nix und niemanden ärgern.

Life is good!

Herzlichst Ihre Ilka Piechowiak

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